Auszug aus einem Interview mit Ulrich Seidl

"PARADIES" - Wie kam es zu diesem Übertitel für die Trilogie?

Das Paradies ist - im biblischen Sinn - die Verheißung eines immerwährenden Glückszustandes und nicht zuletzt ein häufig strapazierter Begriff in der Tourismusbranche, der bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Sonne, Meer, Freiheit, Liebe und Sex auslöst. In diesem Sinne steht der Titel für alle drei Geschichten und Filme, weil sich darin drei Frauen auf den Weg machen, ihre unerfüllten Träume und Sehnsüchte Wirklichkeit werden zu lassen.

Wie könnte man nun mit Blick auf junge Mädchen in einem Diätcamp den Begriff Paradies lesen?

Nicht der Ort der Handlung ist als Paradies zu verstehen, sondern - wie auch bei den anderen zwei Geschichten (Filmen) - die Sehnsucht danach. Der Film beschreibt die Träume und Wünsche von pubertierenden Mädchen, was die Liebe, das Leben und ihre Vorstellungen von Sexualität anbelangt. Verunsichert durch ihr Übergewicht, glaubt Melanie, die Hauptdarstellerin des Films, dass ihr körperliches Aussehen der Grund des Scheiterns ihrer ersten, großen Liebe zu einem Mann ist.

Was stört Sie denn als Filmemacher und Mann an diesen gesellschaftlichen Schönheitsidealen?

Ich will mir nicht vorschreiben lassen, was Schönheit ist. Mich stört die Vereinheitlichung eines Schönheitsbegriffes. Mich stört die gesellschaftliche Verordnung dazu und die Verlogenheit daran. Und mich stört ganz besonders, dass dieses Diktat von Leuten und Branchen vorgegeben wird, deren einziges Interesse es ist, damit Geld zu verdienen.

Ulrich Seidl in einem Interview mit Claus Philipp